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Der moderne Mensch ist seiner sozialen Umwelt gnadenlos ausgeliefert. Auf den Straßen, im Zug, in der U-Bahn sind häufig mehr Zeitgenossen unterwegs, als einem lieb ist. Gerade die, die ein Haus auf dem Land besitzen und täglich in die Stadt pendeln, leiden in diesem von Staus oder ungewollter Tuchfühlung begleiteten Mobilitätsstrom an sogenanntem „Dichtestress“.
Auch im Hinblick auf eine als zu eng empfundene Bebauung wird dieser unliebsame Begriff – Unwort des Jahres 2014 – gern gebraucht. Dass es aber bei einer qualitätsvollen Verdichtung in Ballungsräumen tatsächlich zu einer Umkehr des Dichtefrustes kommen kann, verdeutlicht nun die Ausstellung „Dichtelust – Formen des urbanen Zusammenlebens in der Schweiz“ im S AM Schweizerischen Architekturmuseum in Basel.
Mit innovativen Konzepten, Architektur-Modellen und einem breiten, vor allem die städtebauliche Entwicklung Basels betreffenden Rahmenprogramm zeigt die Schau, wie sich Arbeit und Wohnen im urbanen Kontext zukünftig besser vereinbaren und dadurch lange Wege vermeiden lassen. Denn wenn bebauter Raum gesellschaftsverträglich umgenutzt wird, wenn im Rahmen kluger Verdichtung genügend Begegnungs- und Erholungsräume geschaffen werden, dann fühlt sich das alles andere als eng an und macht das Leben in der Stadt attraktiv. Sinngemäß widmet sich die Ausstellung auch der historischen, durch hohe Mischnutzung geprägten Struktur der Baseler Altstadt, in der trotz enger Gassen bis heute kein „Dichtestress“ aufkommt. Julia Behrens

kunst:art Nr. 65, Januar-Februar 2019, Ausgabe Schweiz

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