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Der andere Klang

1. November 2018

Viele Geräusche nimmt man im Alltag gar nicht wahr: Schritte auf dem Gehsteig oder Geschirrklappern im Restaurant. Doch genau diese unscheinbare Phonetik interessiert Hannah Weinberger (* 1988). In ihren Installationen verarbeitet die in Basel ansässige Künstlerin vertraute akustische Phänomene – vorzugsweise solche, die soziale Interaktionen beinhalten – und widmet diese zu ungewöhnlichen Klangkompositionen um.
Dabei schöpft sie aus einem umfangreichen Tonarchiv mit Aufnahmen, die sie zum Beispiel auf Reisen gemacht hat. Auch Bilder sammelt die Künstlerin auf diese Weise, beobachtet mit der Kamera und fügt die Fotos später zu technisch aufwändigen Mehrkanalarbeiten zusammen. Das passiert dann alles so immateriell, dass sie kein Atelier benötigt.
In der Villa Merkel in Esslingen ist Hannah Weinberger ab Dezember nun mit der Ausstellung „When time lies“ vertreten. Hier nimmt sie Geräusche während des Aufbaus, der Eröffnung und während der Laufzeit ihrer Schau auf und lässt mithilfe eines Algorithmus ständig neue Soundkollagen entstehen. Wie der Titel schon besagt, werden durch die Diskontinuität des Tonteppichs auch zeitliche Parameter außer Kraft gesetzt. In Kombination mit bereits bestehenden Arbeiten aus ihrem Werk schafft Weinberger in der Villa Merkel völlig neue Wahrnehmungsräume. Und darin werden sich die Besucher vielleicht auch der eigenen Bewegung durchs Museum und der damit einhergehenden Klangfülle bewusst.

kunst:art Nr. 64, November-Dezember 2018, Süden Spezial

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