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Schmerzliche Umarmung

1. November 2018

Im letzten Jahr wäre Käthe Kollwitz (1867-1945) 150 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass gab es zahlreiche Ausstellungen zu Werk und Leben der berühmten Künstlerin, die mit einem Graphik-Zyklus zum Aufstand der Weber von 1844 ihren Durchbruch erlebte und daraufhin fast ausschließlich als Ikone künstlerischer Sozialkritik verstanden wurde.
Ihre Sensibilität und Beobachtungsgabe galt jedoch nicht nur dem Elend ihrer Zeitgenossen – zum Beispiel den ausgehungerten, hilfsbedürftigen Menschen, die vor der Armenpraxis ihres Mannes Dr. Karl Kollwitz in Berlin Schlange standen – sondern auch ihrem ganz persönlichen Beziehungsgeflecht, der Familie.
Diese Seite wird seit einigen Jahren stärker beleuchtet , wie jetzt in der Ausstellung „Käthe Kollwitz. Paare, verbunden in Liebe und Schmerz“, die als Nachhall des Jubiläums im Museum Lothar Fischer in Neumarkt zu sehen ist.
Immer wieder hielt die Künstlerin die innige Liebe zwischen Mann und Frau oder auch zwischen Mutter und Kind mit der großen, ihr eigenen Intensität fest. Doch schon in ihren Kreide- und Kohledarstellungen um 1900 verlieh sie ihren Figuren einen stark melancholischen Zug. Zu gut kannte Kollwitz die Kohärenz von Liebe und Leid, die sie selbst 1914 mit ganzer Wucht traf, als ihr 18jähriger Sohn Peter auf dem Schlachtfeld starb. Die Paar-Darstellungen wurden zur existenziellen Übersetzungen der eigenen Empfindungen und entwickelten gerade daraus ihre beeindruckende Allgemeingültigkeit.

kunst:art Nr. 64, November-Dezember 2018, Süden Spezial

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